Jackpot

JACKPOT 2010 Diese Installation gräbt sich ins Gedächtnis ein – unüberhörbar, unübersehbar lockt sie an, erfreut oder verstört. Fünfzigtausend Eincentstücke werden von einem drei Meter langen Schutt-förderband auf eine Höhe von einem Meter befördert und fallen an dessen Ende auf eine Schütte aus Blech, die den Münzstrom auf ein zweites entgegenlaufendes Förderband lenkt. An dessen Ende prasseln die Münzen erneut auf eine Schütte und gelangen so wieder auf das erste Band. JACKPOT – eine Installation, die mehrere Sinne anspricht, wenn nicht sogar überfordert. Gehöhrschutz ist geboten, will man sich nicht der Gefahr dauerhafter Hörprobleme aussetzen. Das Geräusch von Kupferstücken, die in unabschätzbarer Menge unaufhörlich auf Bleche fallen, summiert sich zu terrorartigem Getöse, dem unwiderstehlichen wie auch unerträglichen Lockruf des Geldes. Neben dem ohrenbetäubenden Lärm setzt sich der Besucher einer weiteren Gefahr aus. Durch die schiere Menge an Geldstücken entsteht Abrieb in Form von feinstem Kupferstaub, der sich ohne Atemschutz in Mund- und Nasenschleimhäuten festsetzen und giftig wirken würde. Das Centstück, im einzelnen gern einmal zum Glücksbringer erklärt, erzeugt hier nun unheilvolle Nebenwirkungen. Diese kleinste Einheit unseres Währungssystems, erlaubt es nicht, sich irgendetwas zu kaufen. Selbst wenn man sich unauffällig die ein oder andere Tasche vollstopft, wird es kaum reichen, um sich mehr als eine Bockwurst zu leisten, vorausgesetzt, man findet einen geduldigen Verkäufer. Trotzdem verschwindet Kapital aus dem Kreislauf. Ob durch Abrieb oder andere Ursachen, dem System geht auf unterschiedliche Art und Weise Material verloren – hier und dort springen einige Geldstücke aus der Bahn und so manchem (wahrscheinlich) unter Existenznöten leidenden Galeriebesucher fällt es schwer, nicht zuzugreifen. Wem kann es denn schon auffallen, dass man eine Münze mitgehen lässt oder eine ganze Hand voll? Gier – das ist nur allzu menschliches Verhalten, nicht weiter schlimm und vom Künstler subventioniert. Im Jackpot rotieren genug Kupferlinge für alle. Besucher oder Gast ist angesichts der gebotenen Schutzmaßnahmen nicht ganz der treffende Begriff für die Betrachter der Installation. Text: Christian Finger

Jackpot (2010)
50000 Münzen, Förderbänder
3 m x 2 m x 1,2 m
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Jackpot (2010)
50000 Münzen, Förderbänder
3 m x 2 m x 1,2 m
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Jackpot (2010)
50000 Münzen, Förderbänder
3 m x 2 m x 1,2 m
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