ENRICO FREITAG - Through the Darkness

Hierbei geht Freitag systematisch vor und baut  zeitgenössische interpretation historischer Bildmotive  in seine Malerei ein. So ist zum Beispiel „looking down II“ eine direkte Reverenz zu „Das Angelusgebet / The Angelus“ von Jean-François Millet (1814–1875), nur das sich die Hände heute nicht mehr zum Beten falten, wie in dem Bild von 1858, sondern verzweifelt, tatenlos in den Hosentaschen verschwiden. So scheint dies gleich einer Verbildlichung unserer Zeit und erzählt von einer Generation, welche vor Fülle an Information und Möglichkeiten sich schwer tut die Welt zu begreifen. Es scheint schwierig Klarheit darüber zu erlangen für oder gegen was man kämpft.
Dunkelheit als etwas unbegreifbar Großes, als Bestandteil von Weltpolitik findet sich in “Das große Rätzel”. Der Black Cube auf der Mitte des Konferenztisches umgeben von Politikern als freie Metapher in Bezug auf die Rätselhaftigkeit politischer Geschehnisse? All das obliegt letztendlich unserer Vorstellungskraft und bezieht auf diesem Weg das Dunkel wieder mit ein. All das schaut aus, wie eine große Depression doch vielleicht ist es ja letztendlich die Frage nach dem was uns im Leben allgemein glücklich macht, die Enrico Freitag versucht uns nahezubringen und was es erlaubt, diese Ausstellung mit aktuellen Zeitbezug hier in Shanghai zu zeigen.
Ich freu mich sehr die Arbeiten des deutschen Künstlers Enrico Freitag hier in der Chivalrous Cantaloup Commune zeigen zu können und möchte mich herzlich bei Wang Yuhong und ihrem Team dafür bedanken. kb

ENRICO FREITAG - Through the Darkness - Eröffnung: Samstag den 01. Oktober 2011, 18 Uhr, Chivalrous Cantaloup Commune, Shan Yin Road No.132, 200081 Shanghai, China.

Enrico Freitag, 1981 in Arnstadt geboren, studierte freie Kunst an der Bauhaus-Universität Weimar und ist seit 2006 Hauskünstler der Galerie Eigenheim in Weimar.
Kleinformate sind eine wiederkehrende Besonderheit in Freitags Oeuvre. Auf diesen Formaten verdichtet er Erzählungen und Gefühle zu großen Gesten und Gedankenspielen. Die hier gezeigte Auswahl verbindet eine gewisse düstere, mystisch dunkle Bildhaftigkeit, lässt aber auch Raum für zwischenmenschliche Nähe und Vertautheit.
Enrico Freitags Arbeiten sind Abbilder eines langen prozesshaften Suchens nach Motiv und Inhalt. Dabei sind seine Themen weit gefasst. “Through the Darkness” als Titel dieser Ausstellung versucht viele dieser Bezüge  einzubeziehen. Das Dunkel kann hierbei als Metapher für den Prozess des Lernens und Erforschens genauso gesehen werden, wie die Aufarbeitung unserer Deutsch-Europäischen Geschichte. Bilder wie “Urteil”, oder “Vorführeffekt” sind streng und schließen ein Scheitern im Zuge des Erfahrungszugewinns mit in die Erzählung ein. Andere wiederum haben ganz klare Bezüge zur europäischen Geschichte der Malerei.