Juhu, juhu. – Julia Scorna in Solo

Eröffnung 05.11.2016

Dauer 05.11. – 03.12.2016 

Extra 26.11.2016 um 18 Uhr Künstlergespräch

In den drei Räumen der Galerie Eigenheim Berlin zeigt Julia Scorna Arbeiten, welche den Menschen in drei sich ergänzende Verhältnisse setzen: zur Natur, zur Kultur und zu sich selbst. Dabei geht sie poetisch und subtil zu gleich vor und hält uns mit mehr oder weniger verschlüsselten Botschaften einen Spiegel unserer selbst vor Augen. Der erste Eindruck ist ein hoch ästhetisierter, abstrahierter, welcher sich bei weiterem Betrachten mit Inhalten füllt.

Im ersten Raum finden wir beispielhaft die Fotografien mit dem Titel Hors Piste, welche Schneelandschaften zeigen, in der sich die menschlicher Existenz in Form von Skispuren und Wintersportanlagen ablesen lassen. Hors Piste lässt sich dabei mit Außerhalb der Piste übersetzen und ist ein Beispiel dafür, in wie weit sich die Menschen über das verträgliche Maß der Ausbeutung der Natur hinweg setzen; Ihrer Sehnsucht nach Individualität nachkommen, ohne dabei an die Folgen zu denken. In Verbindung mit dem durchaus zynisch lesbaren Titel der Ausstellung Juhu, juhu. hinterfragt Julia Scorna die omnipräsente Feierkultur, in der die Moral und das Streben nach kollektiver Gesundheit in Bezug auf Umwelt, Individuum und Gesellschaft, dem Verlangen nach Spaß und Glück des Einzelnen hinter her hinkt. Stellvertretend für die zeitgemäße Erforschung des Verhältnisses zwischen Mensch und Kultur, welches die thematische Klammer des zweiten Raumes bildet, steht die Arbeit Take away Altar to go; ein Klappaltar mit mobilem Charakter, mit sich im Innerem befindlichen Abbildungen von Himmel- und Wolkenstrukturen. Die Allgegenwärtigkeit der Ökonomisierung der Zeit lässt auch neue Formen von Devotionalien notwendig erscheinen. Dabei ist der Himmel ein gern herangezogener, demokratischer und universeller Bildraum, um in Verbindung mit einem Altar eine Möglichkeit des Kontaktes mit dem Jenseits aufzunehmen. Nachvollziehbar erscheint hier die Entwicklung eines mobilen Altars im Bezug auf die Rastlosigkeit unserer Existenz. Gleichermaßen spielt es auf das notwendige Wechseln kultureller Räume an, das den Umgang mit der eigenen kulturellen Identität bedingt.
Im dritten Raum werden wir letztendlich auf uns selbst als Individuum zurück geworfen. Die zehnteilige Spiegelarbeit Zeitgemäßes Selbstportrait reflektiert verschiedene aktuelle Beziehung zu sich selbst. Es handelt sich dabei um gerahmte, verschiedenfarbige Spiegelfolien. Eine einfache und doch wieder tiefgründige Arbeit, welche verschiedene Formen des Egos entdecken lässt, und sich sogleich mit der Trend- und Fashionwelt auseinander setzt. Die von der Künstlerin gewählten Titel der einzelnen Arbeiten beziehen sich auf Marketingstrategien der Modebranche und heißen Purple Rain oder Urban 2000 und spielen so mit künstlichen Identitäten und der Frage, wer wir nach außen sein wollen und wer wir nach innen wirklich sind. Alles ist jedoch billig produziert und gerahmt und macht so auf die Kurzlebigkeit der Trendzyklen und den Anspruch des Kunden aufmerksam. Die Auswahl an Arbeiten kann als ein momentanes Gefühl der Künstlerin gegenüber der Gesellschaft verstanden werden. Sind doch gerade Großstädte Orte hochverdichteter Tendenzen menschlichen Entwicklungsdrangs, mit welchem sich die Künstlerin, seit drei Jahren in Paris lebend, konfrontiert sieht. Die Ausstellung kann als Angebot verstanden werden über die Universalität dieser Verhältnisse kritisch nachzudenken.